Künstliche Intelligenz (KI) verbessert den frühen Erkennung von Brustkrebs

Wie Künstliche Intelligenz dabei hilft, Brustkrebs früher zu erkennen

Stell dir vor, ein zweites Paar Augen schaut sich jede einzelne Mammographie an – ohne müde zu werden, ohne einen schlechten Tag zu haben, immer gleich aufmerksam. Genau das passiert gerade in vielen Kliniken: Künstliche Intelligenz (KI) unterstützt Ärztinnen und Ärzte dabei, Brustkrebs früher zu entdecken. Und die Ergebnisse, die inzwischen vorliegen, sind wirklich beeindruckend.

Was macht die KI da eigentlich genau?

Man kann sich das wie einen extrem erfahrenen Kollegen vorstellen, der schon Millionen von Röntgenbildern gesehen hat. Die KI wurde mit unzähligen Mammographie-Aufnahmen trainiert, bei denen man im Nachhinein wusste: War hier Krebs oder nicht? Aus diesem riesigen Erfahrungsschatz hat sie gelernt, verdächtige Muster zu erkennen – manchmal auch solche, die selbst geübten Augen entgehen.

Das Beruhigende dabei: Die KI ersetzt die Radiologin oder den Radiologen nicht. Sie schaut einfach zusätzlich mit hin, wie eine zweite Meinung, die man immer gerne hat, wenn es um etwas so Wichtiges wie die eigene Gesundheit geht.

Die Zahlen, die aufhorchen lassen

Eine der bislang größten Studien zu diesem Thema kommt aus Deutschland, von der Universität zu Lübeck und dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. Über 460.000 Frauen wurden zwischen 2021 und 2023 begleitet. Das Ergebnis, das selbst die Forschenden überrascht hat: Mit KI-Unterstützung wurden knapp 18 Prozent mehr Fälle von Brustkrebs gefunden – und das, ohne dass mehr Frauen unnötig zu weiteren Untersuchungen einbestellt wurden. Veröffentlicht wurde das Ganze im renommierten Fachjournal Nature Medicine.

Und es geht noch weiter: Erst Ende Januar 2026 wurden die finalen Ergebnisse der schwedischen MASAI-Studie im Lancet veröffentlicht. Über 100.000 Frauen aus Schweden wurden untersucht, und auch hier zeigte sich: Mit KI-Unterstützung schnitt das Screening deutlich besser ab als die klassische Untersuchung durch zwei Ärzte. Viele Fachleute sehen darin inzwischen einen echten Wendepunkt für die Vorsorge.

Auch die Ärztinnen und Ärzte profitieren

Was gerne übersehen wird: Es geht hier nicht nur um bessere Erkennungsraten. Normalerweise müssen zwei Radiologen jede Aufnahme unabhängig voneinander begutachten – das kostet enorm viel Zeit, und gute Fachkräfte sind ohnehin knapp. Die KI kann hier einen Teil der Arbeit übernehmen: Eindeutig unauffällige Bilder werden schneller aussortiert, damit sich die Ärzte auf die Fälle konzentrieren können, bei denen es wirklich drauf ankommt.

Genau das hat die Lübecker Studie auch gezeigt: weniger Arbeitsbelastung, ohne dass dabei irgendwas an Qualität verloren geht. Für ein Gesundheitssystem, in dem gute Fachkräfte oft Mangelware sind, ist das eine richtig gute Nachricht.

Nicht nur bei der Mammographie im Einsatz

Auch wenn gerade die Mammographie im Rampenlicht steht, taucht KI mittlerweile an mehreren Stellen auf:

  • Beim Ultraschall hilft sie, Gewebeveränderungen einzuordnen – besonders wertvoll bei Frauen mit dichtem Brustgewebe, wo klassische Mammographien schwerer zu lesen sind.
  • Bei der MRT werden bereits Modelle entwickelt, die aus aktuellen Aufnahmen abschätzen können, wie hoch das Risiko ist, im nächsten Jahr an Brustkrebs zu erkranken – vor allem hilfreich für Frauen mit erhöhtem Risiko.
  • In der Gewebeuntersuchung (Histopathologie) unterstützt KI dabei, bösartige Zellveränderungen unter dem Mikroskop schneller zu erkennen.
  • Bei der Thermografie, also der Auswertung von Wärmebildern, wird KI ebenfalls erprobt – wenn auch diese Methode insgesamt noch weniger etabliert ist.

Aber ganz ehrlich: Es gibt auch Grenzen

Bei allem Enthusiasmus lohnt sich ein realistischer Blick. Eine KI ist immer nur so gut wie die Daten, mit denen sie gelernt hat. Wenn bestimmte Frauen oder Brustgewebe-Typen in den Trainingsdaten unterrepräsentiert waren, kann die Erkennung bei genau diesen Gruppen schlechter funktionieren. Und ob die frühere Erkennung am Ende auch wirklich Leben rettet, wird gerade erst in Langzeitstudien untersucht – erste Hinweise sind vielversprechend, aber die endgültige Antwort steht noch aus.

Auch rechtlich tut sich was: Seit August 2024 müssen KI-Anwendungen im Gesundheitswesen in der EU bestimmte Kennzeichnungs- und Dokumentationspflichten erfüllen. Das schafft mehr Sicherheit, bedeutet aber auch, dass der Weg in die breite Praxis nicht von heute auf morgen passiert.

Was bleibt am Ende hängen?

Künstliche Intelligenz ist längst keine ferne Zukunftsvision mehr, wenn es um die Früherkennung von Brustkrebs geht. Studien aus Deutschland und Schweden zeigen unabhängig voneinander: Mit KI werden mehr Fälle früher entdeckt, und gleichzeitig sinkt die Arbeitslast in der Radiologie. Die ärztliche Erfahrung wird sie dabei so schnell nicht ersetzen – aber als aufmerksames zweites Paar Augen macht sie die Vorsorge schon heute ein Stück sicherer.


Quellen: Studien der Universität zu Lübeck / UKSH (veröffentlicht in Nature Medicine, 2025) und der Universität Lund, MASAI-Studie (veröffentlicht in The Lancet, Januar 2026).